Das böse L-Wort – Über Leseflauten und Blogdurststrecken

leseflaute

Die Bücher stapeln sich bis unter die Decke, setzen Staub an und fordern Aufmerksamkeit. Wollen gelesen werden, wollen mich in ihre Geschichte einsaugen. Und ich sitze davor und weiß nicht weiter. Was als nächstes lesen? Worauf hab ich Lust? So viele Bücher und irgendwie nicht das Richtige dabei. Ich hab noch Rezensionsexemplare ,die drängend in meinem Hinterkopf pochen, doch auch um meinen Leseeindruck in Worte zu fassen fehlt sie mir – die Motivation.

Vor meiner Zeit als Bloggerin hatte ich noch nie einen SUB. Ich kannte das Wort ja nicht einmal. Natürlich hatte ich immer mal ein paar Bücher, die ich noch nicht gelesen hatte. Aber diese mickrige Zahl hatte den Namen SUB nicht verdient. Doch dann kamen die Buchgruppen und jetzt hab ich so viele Bücher, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich überhaupt anfangen soll. Ich fühle mich von ihren Buchrücken, die mich vorwurfsvoll anstarren unter Druck gesetzt. „Du hast uns gekauft, jetzt schenke und auch deine Liebe“, scheinen sie mir zuzuflüstern. Das würde ich ja gerne – alle auf einmal. Aber nur lesen, damit die Bücher als gelesen gelten; das ist doch nicht der Sinn der Sache.

Ich will mich in Büchern verlieren. Will eintauchen in fremde Welten und neue Abenteuer entdecken. Will neue Freundschaften schließen, lachen, weinen und lieben. Ins Kampfgetümmel stürmen, an der Seite von Magiern unglaubliches schaffen. Will gewinnen, verlieren und das Leben feiern. Aber das geht nicht, wenn ich meine Bücher nur aus reinem Pflichtgefühl heraus lese. Ich hab im letzten Monat so viele Geschichten gelesen, meiner Fantasie einer solchen Druckbetankung aufgesetzt, dass mein Kopf einfach übersättigt ist. Noch dazu mit Geschichten, von denen ich gelernt habe, dass sie harte Realität sein können. Und ich rede hier nicht von einem Fantasie Epos.

Bücher beruhen manchmal auf Tatsachen, auf echten Erlebnissen und genau diese Geschichten sind es, die uns unter die Haut gehen, uns nicht mehr loslassen. Die Geschichten, die uns weinend zurücklassen und laut nach einem WARUM fragen. Geschichten, die das Leben schreibt. Was für einen Sinn macht es da also im Moment zu lesen, wenn es nicht die erhoffte Pause von der Wirklichkeit bietet? Genauso fad fühlt sich im Moment dadurch das Bloggen an. Was bringt es, Geschichten zu empfehlen, denen das Körnchen Wahrheit, der Funke Realität abhanden gekommen ist? Man könnte auch sagen, mein Glaube in die Macht der Bücher ist momentan etwas erschüttert. Aber das erlebt wohl jeder mal. Wichtig ist, darüber trotzdem nicht die Lust am Lesen zu verlieren – oder?

Wie besiegt ihr eine unüberwindbar scheinende Leseflaute? Wie sucht ihr euch neuen Auftrieb? In meinem Fall heißt es entweder: Abwarten und Tee trinken bei einer guten Serie. Oder aber: Konfrontation. Einfach die gekauften Bücher, Bücher sein lassen und die finsteren Gedanken in die hinterste Ecke verbannen.Und dann ab in den Buchladen auf die Suche gehen. Auf die Jagd nach einer Geschichte, die großartig zu sein verspricht. So großartig, dass sie mich aus meiner Lethargie reißt. Meist schaffen das die sarkastischen, selbstironischen Protagonistinnen, die immer einen frechen Spruch auf den Lippen haben. Bei mir war es in diesem Fall Für dich solls tausend Tode regnen – ein Buch, was ich euch nur empfehlen kann. Dank diesem Buch kommt langsam wieder Wind auf…

Eure

unterschrift

18 Gedanken zu “Das böse L-Wort – Über Leseflauten und Blogdurststrecken

  1. Guten Morgen!

    Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich eine Leseflaute habe, aber auch ich merke, dass ich gar kein Problem damit habe, mal einen Tag nicht zu lesen. Vermutlich sind wir satt – so wie man irgendwann kein Essen mehr sehen kann, wenn man den ganzen Tag mit Essen konfrontiert wird.

    Wir lesen Bücher auf der Suche nach DEM Buch, so geht es mir, so geht es den meisten Bloggern. Ich wünsche mir ein Buch, bei dem ich von der 1. bis zur letzten Seite emotional gefesselt bin. Das finden wir komischerweise aber immer weniger, je mehr wir lesen. Wir lesen die gleiche Geschichte, 100 x anders verpackt, aber von 100 x kann sie uns nur 1 x fesseln, die restlichen Bücher plätschern leise vor sich hin.

    Vielleicht können wir – die wir sooo viel mehr lesen als ein durchschnittlicher Mensch – die guten Bücher gar nicht mehr wirklich schätzen, weil wir einfach übersättigt sind.

    Bevor ich gebloggt habe, hatte ich einen SuB von ca. 10 Büchern, jetzt ist er auf ca. 30 – 40 Bücher angewachsen. Verglichen mit anderen Bloggern ist das ein lächerlich kleiner SuB, aber mir erschließt es sich nicht, wie man Bücher horten kann, die man in den nächsten 100 Jahren wahrscheinlich nicht lesen wird – denn jeden Monat kommen neue Bücher auf den Mark, die man dann wieder haben „muss“. Ich kaufe nichts, wenn ich es nicht sofort lese. Mein SuB besteht aus Geschenken oder Gewinnen.

    Ich nehme mir die Freiheit zu lesen wann und wie viel ich mag. Dass ich blogge ist eigentlich nebensächlich. Ich blogge weil ich lese und lese nicht, weil ich blogge. 🙂 Obwohl auch mir manchmal Rezensionsexemplare auf den Nägeln brennen, weil ich sie unbedingt lesen muss um nicht den Zeitrahmen zu sprengen, den man für ein Rezi-Ex normalerweise so hat.

    Kurz und gut – eine Leseflaute ist für mich nichts anderes als ein natürliches Abwehrverhalten des Körpers, der sich einfach von einer Übersättigung befreien möchte. Wenn man wieder ausreichend Hunger hat, kommt auch die Lust am Lesen wieder.

    LG Babsi

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    1. Danke für den super ausführlichen Kommentar! 🙂
      Ich geb dir da auf jeden Fall Recht und deinen Gedankengang finde ich wirklich interessant. 🙂 Ich blogge eigentlich auch, weil ich lese – und nicht anders herum. aber irgendwie ist das ein kleines bisschen durch die Beteiligung an der ein oder anderen Blogtour ausgeufert. :/
      LG Michi

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      1. Als ich vor 2 Jahren anfing zu bloggen, war das schon eine Art Sucht. Hier eine Blogtour, dort ein kostenloses Leseexemplar …. Ich kam Gott sei Dank ziemlich schnell an einen Punkt an dem ich gemerkt habe, dass ich mir selbst den Hals zuziehe und seit dem dosiere ich ziemlich genau was ich lese – Ausnahmen und Zeitdruck gibt es natürlich immer, wir leben ja auch noch nebenbei unser Leben 😀

        Ich hatte mir für diesen Monat eine Challenge vorgenommen – täglich 80 Seiten zu lesen. *hust* ich werde wohl sang- und klanglos untergehen. Macht aber nix – Lesen ist ein Hobby, kein Wettbewerb.

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  2. Hiho,

    seit – oh man, inzwischen schon Jahren lebe ich mit einem ZuB, vierstellig … 100 Jahre versorgt, vermutlich mehr … Ich verstehe deinen Beitrag absolut, kann nachvollziehen wie du dich fühlst. Es gibt viele Geschichten, die einen locken wollen, Bücher zu denen man nicht nein sagen mag. Aber klar, der Druck wird immer größer, je mehr Bücher sich stapeln. Umso schlimmer, wenn dann auch noch Reziexemplare darunter sind. Mich haben obendrein noch gravierende Schicksalsschläge in diverse Pausen gezwungen. Pausen vom Lesen, Pausen vom Bloggen. Und je stärker der Geist mit anderen Dingen zu kämpfen hatte, desto weniger Konzentration und Freude (von Zeit mal ganz zu schweigen) bestand für Lektüre, Rezension, Blogbeiträge. Ich kann jetzt nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen: Man kann und sollte nichts erzwingen. Mach eine Pause, wenn du sie brauchst! Widme dich anderen Dingen, die du vielleicht zugunsten der Bücher vernachlässigt hast oder versuche etwas völlig Neues, was dich reizen würde. Das Pflichtgefühl wird nachlassen und der Spaß an der Freud wird irgendwann von selbst zurückkehren. Vielleicht, weil du dann sogar erkennst, dass dir das Ganze doch irgendwie ungemein gefehlt hat und schon legst du voller Motivation und Power wieder los, bekommst tolles Feedback und schon läuft’s wieder rund … :o)

    Liebe Grüße
    Patricia

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  3. Ich kann mich kaum an meine letzte Leseflaute erinnern, zum Glück! Wahrscheinlich würde ich einfach versuchen, mit irgendeinem Buch die Flaute zu überwinden. Das müsste dann aber vermutlich ein Buch sein mit einer Thematik die mich total reizt. Oder, so wie du sagst, im Buchladen stöbern. Da finden man ja eigentlich immer was, was einen anspricht und neugierig macht. 😊

    LG Nicci ❤

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  4. Ich würde dir den Tipp geben einfach in dich reinzuhorchen und zu lesen worauf du wirklich Lust hat. Und wenn du gar keine Lust hast, lass es einfach bleiben! Mach was komplett anderes! Nur weil du einen SuB hast, heißt das ja nicht, dass du den möglichst schnell runterlesen musst. Aber ich verstehe dich sehr, auf mich übt ein SuB auch immer Druck aus. Ab und zu kann man auch mal Bücher aussortieren, die man doch nicht mehr lesen wollte, ich glaube daran, dass sie, wenn sie wirklich das Richtige für einen gewesen sind, wieder den Weg zurück finden werden. ❤

    Übrigens habe ich dich zum Liebster Blog Award nominiert und würde mich freuen, wenn du mitmachst. 🙂 Meinen Beitrag findest du hier: https://buecherjase.wordpress.com/2016/09/24/liebster-blog-award/

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    1. Hey 🙂 Danke für deinen Beitrag! Ich sortiere Bücher irgendwie grundsätzlich nie aus. Wenn ich sie erst mal hab heißt es: Herzlich willkommen in unserer großen Familie! Wir lassen dich nie wieder gehen!“ 😀 Aber ich hab im Moment auch eine sehr wirksame Methode: Ich bin krank und würde ohne Bücher vor Langeweile umkommen. Danke für die Nominierung 🙂 LG Michi

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  5. Ich kenne das Gefühl auch sehr gut, dass man sich irgendwann erschlagen fühlt von den Massen an Büchern. Ich arbeite als Buchhändlerin und wir bekommen sehr oft Leseexemplare zugeschickt. Anfangs hatte ich auch immer den Druck, dass ich so viele wie möglich lesen und bewerten muss. Aber allein von der Masse her schafft man das niemals. Irgendwann habe ich mir dann die Bücher rausgepickt, die mich wirklich angesprochen haben. Ab und zu lese ich natürlich auch in Genres rein, die mich nicht so interessieren – einfach, um auf dem Laufenden zu bleiben.
    Wenn man aber auch bei seinen eigenen Büchern gerade keine Lust hat, ist das manchmal auch ein Zeichen, ein paar Tage auszusetzen. Es ist doch schöner, wenn man sich Zeit für ein Buch nimmt, anstatt es nur schnell durchzublättern, weil man das Gefühl hat, man müsste eine Rezension dazu schreiben oder weil es schon so lange auf dem SuB liegt 😉

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  6. Das kenne ich sehr gut, in letzter Zeit geht es mir ähnlich, und das obwohl ich gar keinen SuB habe, ich stelle die Bücher zwischen die Gelesenen ins Regal und habe auch bislang keine Rezensionsexemplare. Wenn ich ein Buch beendet habe, fällt mir die Auswahl des nächsten schwer, weil mich keines so recht anspricht. Diese Woche ist mir sogar etwas ganz und gar Gruseliges passiert: Ich war in einer Buchhandlung und habe kein Buch gekauft (sonst sind es eher fünf).

    Was ich mache? Zum einen schiele ich auf die bereits vorgeschriebenen Rezensionen im Blog. Ich habe auch als ich mal mehr gelesen habe beschlossen, es bei einer Rezension pro Woche zu belassen, dadurch habe ich nun einige in der Hinterhand, ich kann also auch mal wenig oder fast gar nicht lesen, ohne dass der Blog brachliegt, und da ich keine Rezensionsexemplare habe, wartet auch niemand auf meine Besprechung. Nachdem ich in letzter Zeit drei Flops hatte – nicht wirklich schlecht aber auch nicht wirklich toll – widme ich mich nun erst einmal meinen Lieblingen. Da weiß ich einfach, was ich habe, auch wenn es nichts Neues ist, und irgendwann habe ich dann sicher auch wieder Lust auf die ungelesenen Bücher in meinem Regal.

    Liebe Grüße

    Claudia

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  7. Oh, das kenne ich nur zu gut….bei mir ging die Leseflaute sogar fast ein Jahr! Ich bin in Buchläden und Büchereien fast verzweifelt, weil sich für mich nur noch alles gleich angehört hat. Entweder nach dem Motto: Frau XY lernt mysteriösen, anziehenden Mann kennen und kommt seinem dunklen Geheimnis langsam auf die Spur…oder auch: Mann Xy trifft Liebe seines Lebens, einziges Problem: die Frau hat Krebs. Solche Szenarien, so oder so ähnlich, gibt es tausendfach und ich war so gelangweilt davon und hab mir einfach mal etwas Neues gewünscht. Ich wollte, dass es so wie früher war, als mich Bücher noch so gefesselt haben, dass ich sie nicht mehr aus der Hand legen konnte. Nun ist es seit ein paar Monaten wieder besser geworden. Ich hab mich zum Beispiel mit den Guillaume Musso Büchern angefreundet und auch „Der Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um seine große Liebe wieder zu finden.“ war nach langer Zeit mal wieder ein wirklich interessantes und erfrischendes Buch ☺️ Ich hoffe du bist auch wieder „über den Berg“ und bist wieder eingedeckt mit zufriedenstellenden Schmökern 😉 (Der Kommentar ist länger geworden als geplant…Sorry)

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  8. WoW. Ich habe deinen Beitrag zufällig gefunden. Habe einfach mal Bücher in die WordPress-Suche eingegeben und du bist erschienen 🙂 Der erst Satz hier hat mich gefesellt und ich habe bis zum Schluss gelesen. Ich kenne diese Leseflauten, habe sie auch gerade, aber sie geht vorüber 🙂 Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und hoffe, bald sind alle deine Bücher gelesen 🙂

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  9. Ich habe dieses Problem vor allem, wenn viele Schulsachen mich zu anderen Dingen drängen und in den Minuten, in denen ich dann mal Zeit zum Lesen hätte, schaffe ich es nicht, weil ich (zum Beispiel abends) zu müde bin, um mehrere Seiten zu lesen und in diesen Zeiten kommt es dann dazu, dass ich sehr lange auf ein und demselben Buch kaue und kaum vorankommen…
    Aber wenn der ganze Stress vorbei ist, geht es auch schon wieder viel besser. 😊💕
    Liebe Grüße
    Charly

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  10. Guten Abend,
    Ich kenne dieses Gefühl nur all zu gut, dann gehe ich in den Buchladen, mit der Aufgabe ein Buch zu finden, dass ich in einem Stück lesen werde (okay, vielleicht auch zwei). Dann ist die Leseflaute vorbeigezogen und weg!
    Beim bloggen ging es mir bis jetzt noch nie so!
    Liebst, Marie💗

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