Ein Plädoyer für kleine Buchläden

Du betrittst den Laden und um dich herum verschwinden die Geräusche des Alltags. Es wird ganz ruhig. Zu hören ist nur gedämpftes Murmeln und das verheißungsvolle Rascheln von Papier, das dir noch nicht erlebte Abenteuer zuflüstert und mit seinen Worten lockt, in der Luft hängt der Geruch von warmen bedrucktem Papier. Und plötzlich kommst auch du zur Ruhe und fühlst dich Zuhause.

Genauso geht es mir, wenn ich in meinen kleinen Lieblinsgbuchladen um die Ecke gehe. Kein Thalia oder Hugendubel und auch nicht ein Amazon in Miniversion, sondern eine kleine unabhängige Buchhandlung im Herzen von Münster: die Schatzinsel. Hier gehe ich immer hin, wenn ich eine Auszeit brauche, denn es erwarten einen nicht nur wunderbare Bücher und Geschichten, sondern auch ganz besondere Menschen. Hier kümmern sich die Verkäufer noch richtig um die Kunden und helfen ihnen so lange wie nötig weiter, damit sie mit einem Strahlen im Gesicht und einem neuen Buch in der Tasche aus dem Laden gehen können, denn sie wissen tatsächlich wovon sie reden. Noch nie hat mich eine Empfehlung meiner Lieblingsverkäuferin enttäuscht. Zwar ist für sie die Beratung ein hoher Zeitaufwand, aber sie opfern diese Zeit gerne für ihre Kunden. Und ich liebe es, dass schon jeder dort meinen Namen kennt. Es fühlt sich einfach an, als würde ich zu guten Freunden kommen.

Der Buchmarkt ist im Wandel

Dabei haben es gerade diese besonderen Läden nicht leicht sich in der aktuellen Marktsituation zurechtzufinden, denn in der Flut an Selfpublishern, Buchbloggern, großen Filialketten und natürlich dem Online-Handel drohen diese Buchhandlungen unterzugehen. Insbesondere Amazon hat hier kräftig seine Finger im Spiel.  Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass sich der Buchmarkt im Wandel befindet. Schon 2011 gab es Schlagzeilen, dass Amazon mehr E-Books als Bücher verkauft hat.

Im Moment stehen schon wieder die nächsten Hürden für den Buchmarkt an: die Digitalisierung der kleinen Buchläden und das Prinzip „Same Day Delivery“ sind gerade stark im Kommen. Wer sich jetzt denkt: Digitalisierung? Was ist damit gemeint? Das Wort bedeutet einfach nur, dass bisherige Strukturen im Unternehmen von analog auf digital umgestellt werden, z.B. die Buchhaltung. Sollte „Same Day Delivery“ irgendwann möglich sein, kann man Bücher bestellen und am selben Tag noch geliefert bekommen. Im Moment können das vielleicht schon Riesen wie Amazon bewältigen, aber kleine Buchläden sind noch weit davon entfernt. Obwohl sie schon einen riesigen Schritt getan haben, in dem man bei den meisten unabhängigen Buchläden mittlerweile auch online E-Books kaufen kann und sich Bücher bequem für den nächsten Tag bestellen kann.

Qualität kommt vor Quantität

Ein Merkmal, wodurch sich diese Buchläden aber immer noch abheben, habe ich schon einmal erwähnt: ihre Beratungsqualität, denn diese Leute kennen wirklich noch die Inhalte der Bücher. Das bedeutet mitunter aber auch einen enormen Zeitaufwand, der durch einen kleinen, aber nicht unentscheidenden Faktor möglich wird. Ich rede von der Buchpreisbindung.

Die Buchpreisbindung verpflichtet alle Verlage und Importeure, einen festen Buchpreis festzulegen (§ 5). Auch Verlage, die eine freie Marktpreisbildung ihrer Bücher wünschen, unterliegen der Verpflichtung. Die Buchpreisbindung gilt mindestens 18 Monate ab Erscheinungsdatum des Werkes. – Quelle: Wikipedia

Per Gesetz sind alle Buchhändler in Deutschland mindestens 18 Monate nach Erscheinungstermin dazu verpflichtet, das Buch zu demselben Preis anzubieten. Das gilt jedoch nicht für alle Länder weltweit. Daher gibt es immer wieder große internationale Konzerne, die versuchen die allgemeine Buchbindung in Deutschland abzuschaffen. Dass aber die Beratung wichtig ist, und sogar der Online Handel davon profitieren kann, zeigt der 16-jährige Andres aus Australien mit seinem Bericht über seine Zeit als Praktikant und Verkäufer in einer Buchhandlung.

Mir ist schon klar, dass der Online Handel mittlerweile einen großen Teil unseres Kaufverhaltens beeinflusst. Trotzdem möchte ich das nicht zwangsläufig unterstützen, vor allem bekannte Konzerne, die außer meiner Sicht den Buchmarkt in Deutschland auf Dauer bedrohen und kaputt machen können. Aber noch viel wichtiger: ich möchte meinen kleinen Buchladen unterstützen, weil er es wert ist. Allein schon, weil man hier viel mehr Freude beim Kauf empfindet, als wenn man bloß auf einen Button auf seinem Desktop klickt. Geht doch demnächst mal in eine kleine Buchhandlung bei euch um die Ecke und saugt einmal diese Atmosphäre ein und unterhaltet euch mit den Verkäufern, ich verspreche euch, dass ihr den Laden entspannt und vielleicht mit ein oder zwei Büchern, die ihr vielleicht noch nicht kanntet, wieder verlasst. Wo die nächste Buchhandlung ist, könnt ihr übrigens bei Vorsicht Buch! herausfinden.

Die Liebe zu den Buchläden

Ich persönlich kann sagen, dass ich so gut wie nie Bücher über Amazon bestelle, außer die paar Mal, die ich ein englischsprachiges Buch brauche, das meine Buchhandlung nicht in ihrem Sortiment anbietet, was nicht oft vorkommt. Oft bestelle ich einfach direkt in den Laden und hole es dann am nächsten Tag ab oder lade mir E-Books direkt über den Shop herunter. Und beim Abholen gibt es dann noch zusätzlich einen tollen Austausch mit meiner Lieblingsverkäuferin oder dem netten Ladenbesitzer über die ganzen wahnsinns Büchern, die demnächst erscheinen.

Und ich bin nicht die einzige, die so denkt. Torsten Woywod z.B. reist immer wieder durch die Weltgeschichte und besucht die außergwöhnlichsten Buchhandlungen dieser Welt und teilt Fotos seiner Reisen auf seiner Facebook Seite. Aber Achtung: bei den Bildern entsteht potentielle Suchtgefahr! Ihr liebt kleine Buchhandlungen genauso wie Torsten und ich? Dann schreibt ihm eine kurze Begründung warum an seine E-Mail Adresse torsten.woywod@gmx.de.

Eure

unterschrift

5 Gedanken zu “Ein Plädoyer für kleine Buchläden

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