Bücher bewerten trotz Abbruch – No-Go oder Yes, please?

Die Story zieht sich, man kommt so gar nicht mit den Protagonisten klar oder die Geschichte ist mit Klischees überhäuft… Es gibt zig Faktoren, warum uns ein Buch nicht wirklich anspricht, manchmal können wir selbst gar nicht sagen warum. Doch nach 50 Seiten wird es schleppend und spätestens nach 100 Seiten hat man keine Lust mehr weiterzulesen. Die Folge? Viele brechen das Buch ab. Aber sollte man es dann trotzdem bewerten?

Ich muss sagen, dass ich bis vor ein paar Wochen eisern daran festgehalten habe, dass ich ein Buch nicht abbreche, denn wer weiß, ob es nicht am Ende noch viel besser wird? Und ich möchte Bücher auch nicht auf der Grundlage bewerten, dass ich das Buch nicht komplett kenne, obwohl ich das schon häufig gesehen habe. In letzter Zeit kam es aber immer häufiger mal vor, dass ich mir bei einem Buch dachte: Wie viele Seiten denn noch? Mittlerweile stehe ich auf dem Standpunkt, dass mir meine Lesezeit wichtiger und zu wertvoll ist. Wenn ein Buch mich also so gar nicht packen kann, dann breche ich es ab.

Sprecht erst einmal mit dem Verlag

Bleibt aber noch die Frage, ob ich es dann bewerten sollte? Wenn ihr Rezensionsexemplare bekommt, dann sprecht in so einem Fall unbedingt mit Verlag oder Autor und erklärt ihnen die Situation. Die meisten reagieren sehr verständnisvoll und bestehen nicht auf eine Rezension – sie möchten schließlich auch lieber positive Stimmen zum Buch. Ein Patentrezept wie man in solchem Fall mit einer Bewertung weiter verfahren sollte gibt es jedoch nicht, das liegt komplett bei euch.

Abbruchrezension2

Ich denke, dass unter gewissen Voraussetzungen eine Abbruchrezension sehr reizvoll ist. Viele andere Buchliebhaber finden nämlich die Gründe sehr interessant, warum einen das Buch gerade nicht gefallen hat und warum man es in Folge dessen nicht zu Ende gelesen hat. Ich persönlich finde negative Rezensionen auch meistens viel interessanter, weil sie detaillierter begründet werden, als durchweg positive Rezensionen. Trotzdem kommt es auf den Ton an. Nur weil einem das Buch nicht gefallen hat, ist es kein Grund dieses zu verreißen. Es gibt Leute, die so etwas schreiben und auch gerne lesen – ich gehöre definitiv nicht dazu. In Büchern stecken die tiefsten Gedanken und Fantasien von Autoren, denen man mit Respekt begegnen sollte. Natürlich sollten sie auch Kritik verkraften können, aber es geht gar nicht, wenn man auf ihrem Werk nur herumtrampelt und es in der Luft zerreißt (oder über brennende Mülltonnen hält).

Rezension ja bitte, Bewertung nein danke

Kommen wir aber noch einmal zurück zu den Abbruchrezensionen. Wie gesagt sind auch, oder vor allem, solche Rezensionen interessant, insbesondere, wenn sie gut begründet sind. Aber wie hält man es dann mit der Bewertung? Ich finde Jule von Miss Foxy reads hat da eine sehr gute Möglichkeit gefunden. Sie hält zwar ihre Meinung zum Buch in einer Rezension fest, vergibt aber bei einem Abbruch keine Bewertung. So sollte es sein und nicht anders, denn wie will man etwas bewerten, wenn man nicht die komplette Grundlage kennt? Wie ich oben schon einmal erwähnt habe, weiß man schließlich nicht, was noch gefolgt wäre. Das wäre, als würde man ein Romanze, die man bei 80 Prozent abgebrochen hat, schlecht bewerten, weil die Charaktere nicht wieder zueinander finden, es aber auf den letzten 20 Seiten dann doch ein Happy End gibt – ihr versteht sicherlich, was ich meine, oder?

Lange Rede, kurzer Sinn: Abbruchrezensionen sind durchaus sehr interessant für den Leser, wenn ihr eure Gründe wie auch in normalen Rezensionen gut begründet und in einem entsprechendem Rahmen formuliert, ohne das Buch zu verreißen. Allerdings finde ich es ungerechtfertigt auch eine Bewertung wie Herzen, Feder, Kategorien oder ähnliches zu vergeben, weil man eben nicht das komplette Buch kennt. Letztendlich liegt die Entscheidung, wie ihr mit einem abgebrochenem Buch umgeht ganz bei euch – da gibt es leider kein Patentrezept.

14 Gedanken zu “Bücher bewerten trotz Abbruch – No-Go oder Yes, please?

  1. Schöner Beitrag, liebe Michi 🙂
    Ich empfinde da ähnlich – Die persönliche Begründung reicht aus um dem Leser aufzuweisen wie man selbst das Buch empfand und warum man abgebrochen hat !
    Nichtsdestotrotz bleibt es natürlich dem Blogger überlassen. Absprache mit dem Autor / Verlag empfehle ich auch 🙂
    Ganz liebe Grüße ♥

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  2. Hey!
    Ich kann deine Haltung zu dem Thema nachvollziehen, würde selbst aber einen Stern für ein abgebrochenes Buch verteilen. Wenn ich Bücher abbreche, dann meist wegen des Schreibstils (zu distanziert, wenig bildhaft, flache Charaktere, sowas in der Art) und der ändert sich über das Buch hinweg normalerweise nicht mehr. Ich fände es in diesem Fall durchaus legitim einen Stern zu vergeben. Meistens rezensiere ich abgebrochene Bücher allerdings gar nicht erst, weil ich nicht noch mehr Zeit mit ihnen verschwenden möchte.
    Aber, ich denke da wie du: Das muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit abgebrochenen Bühern umgeht.
    LG
    Yvonne

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    1. Hi Yvonne,

      ein Buch besteht doch aber nicht nur aus dem Schreibstil. Da ist doch auch noch die Handlung, die du dann in deiner 1 Stern-Bewertung total außen vor lässt. Und Charaktere, die anfangs flach wirken, können im Lauf des Romans noch ganz schön an Tiefe gewinnen. Man kann ja schließlich nicht alles auf den ersten 20 Seiten abhaken. 😉

      LG LIlli

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      1. Hey Lilli,
        stimmt, dass das Buch nicht nur aus dem Schreibstil besteht, aber er ist für mich das Wichtigste an einem Buch. Wenn mir der Schreibstil nicht zusagt, dann kann die Handlung das nicht rumreißen (bei mir ist das so, das mag bei anderen Lesern aber total anders sein). Ich habe noch kein Buch erlebt, bei dem ich dachte: was für ein blöder Schreibstil, aber das Buch gefällt mir trotzdem, weil die Handlung so gut ist. Wie gesagt, gilt nur für mich.
        Flache Charaktere kann der Autor tatsächlich noch rausreißen, das habe ich auch schon erlebt.
        LG
        Yvonne

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  3. Mir gefällt deine Lösung sehr gut, so hätte ich es auch gehalten. Ein Statement dazu, dass und wieso man ein Buch abgebrochen hat, finde ich wichtig, schließlich ist auch das eine relevante Meinung, wenn man wissen möchte, ob sich ein Buch lohnt. Das zu verschweigen ist ja unsinnig, schließlich verfälscht das ja das Ergebnis, wenn man sich informieren möchte. Wichtig finde ich nur auf jeden Fall, dass ganz deutlich am Anfang kenntlich gemacht wird, dass man das Buch nicht zu Ende gelesen hat und wie weit man gekommen ist. Hat jemand nur 20 Seiten gelesen, ist das natürlich nicht so aussagekräftig wie bei 200.
    Ich stimme dir aber auch zu, dass die Begründung dann sachlich erfolgen muss. Gerade bei einem Rezensionsexemplar oder einem Original deutschen Buch habe ich kein Verständnis dafür, wenn man die Rezension ins Lächerliche zieht und sich darüber lustig macht oder übertreibt.

    Liebe Grüße!
    Jacqueline

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  4. Sehr toller Beitrag,
    Wenn ich Bücher abbreche schreibe ich für gewöhnlich keine Rezension dazu oder eher drehe ein Video.
    Aber dein Beitrag hat mich auf den Gedanken gebracht es mal mit so einer Abbruchrezension zu versuchen.
    Liebe Grüsse Ela

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  5. Hi Michi,

    bisher war ich ja der Meinung, dass man abgebrochene Bücher nicht rezensieren sollte, denn man kann ja nichts rezensieren, was man nicht gelesen hat. Aber du hast eigentlich ganz recht. Rezension ist okay, aber Bewertung nicht. Ich habe das bisher nie so deutlich getrennt gesehen.

    LG Lilli

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  6. Liebe Michi,
    ein toller Beitrag! Auch in der Thematik bin ich wieder mal sehr froh, dass ich auf Sterne, Punkte, Federn, Herzen und Co. verzichte und Kategorien nutze. Für mich wäre ein Abbruch ein Fehlgriff. Es kann ja sein, dass andere Leser das Buch total toll finden. Für mich war es jedoch trotzdem ein Fehlgriff. Aber ich würde nie eine komplette Wertung aussprechen oder sogar eine Rezension bei Amazon oder so schreiben. Worüber denn auch?
    Ich finde es beispielsweise cool, die Möglichkeit eines Sammelbeitrages zu nutzen, hatte ich mal irgendwo gesehen.
    Dort schreibt man über abgebrochene Bücher und erklärt kurz die Gründe dafür.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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  7. Hallo Michi!

    Ich halte es bei Abbruch-Rezensionen auch so, dass ich darin erkläre wo und warum ich abgebrochen habe. Denn gerade das „Warum“ ist ja eine sehr subjektive Sache und könnte für andere ein Grund sein das Buch erst in die Hand zu nehmen. Entsprechend finde ich, dass Abbruch-Rezensionen genauso wichtig sind wie bewertende Rezensionen.

    Wenn es um die Bewertung ans ich geht lasse ich abgebrochene Bücher dann auch unbewertet. Bei Goodreads, LibraryThing etc. habe ich dafür eine extra Liste mit „Abbrechern“ angelegt, Amazon geht dann halt leer aus. Denn da gebe ich dir vollkommen Recht, wie soll man ein Buch wirklich bewerten können, wenn man es nicht vollständig kennt?

    Liebe Grüße
    Sam

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    1. Liebe Sam,
      danke für deinen Kommentar! Das mit der eigenen Liste für „Abbrecher“ (auch ein cooler Name) ist eine richtig gute Idee, ich glaube das werde ich auch machen– auch wenn die Liste bei mir dann im Moment nicht wirklich voll sein wird. Genau!
      Ganz liebe Grüße Michi

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      1. Guten Morgen Michi,

        bei mir stehen zum Glück auch noch nicht soooo viele Bücher auf der Liste, aber als es erstmal mehr als 2-3 waren, fand ich es sinnvoll die Abbrecher ( 😀 ) zu „sammeln“.

        Liebe Grüße und einen frohen Wochenstart,
        Sam

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