Qualität vs Quantität – oder auch unser Urteil über monatliche Lesemengen

Häufig hört man: Wie schaffst du es so viel zu lesen im Monat? Anders herum hört man witziger Weise nie: Warum liest du nur so wenig im Monat? Nicci und Sarah haben es erst letztens ganz herrvorragend auf den Punkt gebracht. Diese Fragen nerven irgendwann. Ich lese selbst nicht besonders wenig im Monat. Meist liegt mein Durchschnitt in etwas bei zehn Büchern, manchmal eben mehr und manchmal eben weniger. Und trotzdem bin ich eine absolute Genießerin. Ich verschlinge jedes Wort mit Begeisterung und ziehe diese fremden Welten und Abenteuer in mich auf.

Gerade habe ich mein (wie ich zugeben muss ziemlich überquellendes) Postfach aussortiert und dabei auch die ganzen Benachrichtigungen von Blogs durchgesehen. Plötzlich habe ich mich dabei erwischt, wie ich gedacht habe: Mensch, diese Bloggerin hat super häufig neue Rezensionen veröffentlicht – wie macht die das bloß? Und da war es. Ich denke so etwas nicht oft. Für mich ist die zu schaffende Lesemenge eine Mischung aus Freizeit, Priorisierung und Lesegeschwindigkeit. Aber sagt die Menge, die wir im Monat lesen etwas über die Qualität unseres Leseeindrucks aus? Das ist nämlich meist der zweite Satz: Verstehst du überhaupt alles, was du da liest? Liest du das Buch überhaupt richtig? Kennst du jetzt den ganzen Inhalt?

Leute – ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich kann den genauen Inhalt und meine Meinung zum Buch auch zwei Monate später noch so detailliert wiedergeben, dass ich dann noch eine Rezension schreiben kann, zum Teil sogar noch länger. Ich verstehe alles, was ich lese, selbst wenn ich schnell lese (stellt euch vor, sogar auf Englisch). Und ich lese auch das Buch richtig, ich weiß gar nicht wie es gehen soll, ein Buch falsch zu lesen?

Lesen und lesen lassen

Natürlich gibt es mal so Momente, wo ich bei schleppenden Szenen oder sich wiederholenden Beschreibungen ein paar Sätze überspringe, aber spätestens beim nächsten Dialog setze ich wieder ein. Das passiert allerdings nur, wenn mich das Buch nicht richtig fesseln kann. Lesen sollte aber auch nicht in Stress ausarten. Natürlich gibt es Monate, wo man sich vielleicht mal zu viel aufgehalst hat – das kennt jeder. Aber das passiert auch, wenn man nur zwei oder drei Bücher im Monat liest, nicht nur, wenn man Vielleser ist.

Ich denke, dass die Lesemenge pro Monat oder die eigene Lesegschwindigkeit rein gar nichts über die Qualität der Meinung aussagt und man das Lesen immer noch genießen kann, den Wortzauber auf sich wirken lassen kann. Ich finde es beispielsweise anstrengend ein Buch über mehrere Tagen oder Wochen zu lesen, weil man dann immer aus dem Lesefluss und der Atmosphäre des Buches gerissen wird. Trotzdem gehe ich zu niemandem hin und sage: Oh, ich verstehe gar nicht, wie man so wenig lesen kann. Wäre irgendwie auch merkwürdig, oder?

Wenn ihr also das nächste Mal jemanden fragen möchtet: Wie schaffst du es so viel zu lesen? – dann lasst es einfach. Jeder schafft so viel er schafft, in der Zeit, die er sich für das Lesen freischaufelt. Ja, auch ich muss mir da an die eigene Nase fassen. Aber man kann sich ja bessern. 🙂

Eure

unterschrift

12 Gedanken zu “Qualität vs Quantität – oder auch unser Urteil über monatliche Lesemengen

  1. Hey,
    Ein sehr schöner Beitrag wie ich finde.
    Ich habe sogar ein paar wenige Bücher die ich vor mehreren Jahren gelesen habe, bei denen ich aber noch ziemlich genau den Inhalt wiedergeben kann. Wenn mich ein Buch fesselt muss ich es zuende lesen, dann kommen andere Sachen, wie essen halt etwas kürzer. Aber wie du schon sagtest, jeder liest so viel wie er möchte und kann.

    Liebe Grüße ☺️

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  2. Hey,
    du hast einen Beitrag geschrieben, der auf jeden Fall viel auf den Punkt bringt.
    Auch ich ertappe mich hin und wieder bei der Frage, wie andere Blogger ihr Lesepensum schaffen. Dabei denke ich allerdings nicht an die Blogger die so um die 15 Bücher lesen, sondern an jene die über 20 schaffen. Ich persönlich habe da nichts negatives im Sinn. Ich bewundere es eher. Dahinter steckt schließlich auch jede menge Arbeit.
    Liebe Grüße 🙂

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  3. Guter Beitrag. Erst letztens wurde ich gefragt wie ich in einem Monat 15 Bücher lesen kann. Ich arbeite 45 Stunden plus Nebenjob, habe einen Hund, eine Beziehung und eine Familie…. Woher nehme ich also die Zeit? Ganz einfach, ich nehme sie mir einfach. Und ich gehöre ebenfalls zu den Schnelllesern, in Deutsch und in Englisch. 300 Seiten sind für mich nichts. Wenn ich richtig frei und Zeit habe, schaffe ich 600 und mehr an einem Tag. Und ich kann auch Abschnittsweise lesen. 10 Minuten hier, ein Toilettengang da. Das läppert sich. Andere spielen am Handy, ich lese eben. Ist ja auch kein Wettbewerb. Jeder wie er kann, will und überhaupt 🙂

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  4. Ich Stimme dir Zu! Ich hab auch mal einen Beitrag dazu geschrieben, warum es okay ist, keine 18 Bücher im Monat zu lesen.
    Dein Beitrag ist sehr wahr und klar, ertappe ich mich auch bei der Frage, denk dann aber kurz nach und stelle sie nicht mehr anderen Menschen, weil ich die Antwort mir selber herleiten kann.
    Xoxo Vera

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  5. Du sagst es.

    Egal ob viel oder wenig, man sollte nicht die anderen für ihr Leseverhalten kritisieren. Nur weil ich langsam lese, genießen die anderen doch nicht weniger ihre Ladezeit und umgekehrt. Dieses ständige beurteilen ist echt nervig. Ich schaue lieber Serien und lese weniger. Jemand anderes liest lieber, anstatt etwas für die Uni zu machen usw usw. Nachher sind es alles Prios….

    Liebste Grüße,
    Anna

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  6. Kann dir da wirklich nur zustimmen. Es gibt nicht viel mehr zu sagen. Klar sage ich manchmal „wow, du liest denn viel“ aber meist ist es nur bewundert gemeint und ich habe gar keine weiteren Gedanken dabei.

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  7. Liebe Michi,

    mal wieder ein fantastischer und vor allem ehrlicher Beitrag!
    Ich gehöre jetzt zwar auch nicht zu den absoluten Viellesern, aber selbst ich muss mir das manchmal anhören und will es einfach nicht mehr.
    Man nimmt sich die zeit dafür oder eben nicht.
    Und beides ist genauso in Ordnung wie das jeweils andere.
    Einfach #lesenundlesenlassen

    Liebste Grüße ❤ Jill

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  8. Hallo und vielen Dank für deinen sehr interessanten Beitrag.

    Ich ertappe mich auch manchmal bei dem Gedanken „Wie macht der/die das“, wenn ich die dritte Buch-Besprechung der Woche in meiner TL sehe. Aber das scheint einfach eine individuelle Sache zu sein – und hat vielleicht auch etwas mit der Länge der Bücher zu tun. Vielen Dank für die Einsichten hier dazu!
    Bei mir ist es so, dass ich am Tag beruflich rund zwei Stunden unterwegs bin und dabei Hörbücher höre. Am Wochenende dann noch mal zwei bis vier Stunden. So komme ich auf etwa 14 Stunden Hörbuchzeit in der Woche. Das reicht manchmal für ein Buch, aber oft auch nicht, da ich gerne längere Titel höre. Ich finde das ganz entspannend, auch wenn es daher weniger Rezis gibt. Oder wie Jill es in ihrem Kommentar anklingen lässt: #hörenundhören lassen 🙂

    Schöne Grüße vom Hörbuch-Hunter

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  9. Hallo,

    Danke für den schönen Beitrag.
    Ich lese selber sehr viel und habe mittlerweile echt schon Komplexe, wenn ich eine Rezension einstellen möchte, denn ich lesen oft von anderen Leuten, die meinen, wenn man zu viel liest, kann man gar nicht richtig lesen.
    Ich bin nicht der Meinung, denn ich habe zum Beispiel nicht wirklich andere Freizeitaktivitäten und so kommen halt bei mir eine ordentliche Menge an Seiten zusammen. Auch lese ich relativ flott.

    Deswegen bin ich auch der Meinung :

    #lesenundlesenlassen

    Lg, Eva

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