Mentira – Stadt der Lügen von Christina Hiemer #Rezension

In einer Welt, in der die Wahrheit alles ist, was zählt, kann eine einzige Lüge alles verändern.

Seit Melia denken kann, ist Lügen in Mentira streng verboten. Doch außerhalb der Stadtmauern liegt eine Welt, in der die Wahrheit kein Gewicht hat. Als Melia einen wichtigen Auftrag bekommt, gerät das Vertrauen in ihre Schwesternschaft immer mehr ins Wanken. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und flieht. In Sombra, der Schattenstadt, erhofft sie sich endlich die Antworten zu finden, die sie in Mentira vergeblich gesucht hat.

Doch die fremde Stadt birgt ein dunkles Geheimnis. Niemand spricht über die Dunkelheit, die die Menschen befällt und ihnen jegliches Gewissen raubt. Wird Melia den Schatten der Stadt entkommen, oder wird auch ihre reine Seele der dunklen Seite zum Opfer fallen? (Quelle: Hawkify)

text-dividers-04

Vorne weg: das Cover. Für den Hakify Books Verlag eher eine ungewöhnliche Wahl, passt es perfekt zu der düsteren Stimmung in Christinas Geschichte. Auch der Schreibstil hat eine düstere Poesie inne, die einen verträumt auf die Seiten schauen lässt und einen direkt in die Atmosphäre einsaugt. Ich hatte selten ein Buch, bei dem ich mir so viele Zitate markiert habe.

Aber man merkt auch, dass sich der Schreibstil erst im Laufe des Buches entwickelt. Ab der Hälfte circa wirkt es wie ein Cut und das Potential dieser jungen Autorin und ihres Debütromans kommen erst richtig zum Vorschein. Und Potential ist reichlich vorhanden. Das Setup hat etwas magisch und außergewöhnliches in einem Ringen der uralten Mächte Wahrheit und Lüge. Dabei tritt immer wieder die Frage auf: Gibt es wirklich nur das eine oder das andere?

Vor allem Sombra und seine Bewohner üben eine Faszination aus, die einen nach immer mehr Informationen, mehr Einblicken, mehr Szenen gieren lassen – was ich so überhaupt nicht erwartet hättet. Mit voller Überzeugung hätte ich vor dem Lesen sagen können, ich bin Melia Fan. Aber im Gegensatz zu Kilian und Nathan wirkt ihre Figur zwischendurch eher durchscheinend. Was sich durch Kilians Beschreibungen von Melias Charakter wieder ändert.

Leider geht der Spannungsbogen zwischendurch etwas verloren, dafür intensiviert sich die Spannung zum Ende hin umso mehr. Ich hatte gar keine andere Möglichkeit als Seite um Seite hinter mir zu lassen und so unweigerlich dem Ende entgegenzupreschen.

Ich hatte unheimlich hohe Erwartungen an Mentira – die in den Punkten oben auch erfüllt wurde. Zum Teil fehlt hier aber noch die vollständige Entwicklung, um das gegebene Potential vollkommen auszuschöpfen. Man erhält viele wichtige Informationen über die Welt von Mentira und trotzdem ist es irgendwie nicht genug, um die ganze Welt zu verstehen. Man erhält viele wichtige Informationen über Melias Leben bei den Schwestern der Ruína und trotzdem ist es irgendwie nicht genug. Man erhält viele wichtige Informationen über Sombra und seine Bewohner und trotzdem ist auch das leider nicht genug. Zum Teil rührt das garantiert daher, dass ich einfach noch nicht fertig bin mit Melias Abenteuer. Ich möchte mit ihr reisen, ihre Welt weiter erkunden und alle Geheimnisse aufdecken, die mir Christina ermöglicht zu erforschen. Aber zum Teil liegt es auch daran, weil sich die Welt erst mit dem Schreiben entwickelt zu haben scheint. Dann hätten die Elemente aus Dystopie und Fantasie, was eine geniale Mischung darstellt, noch übergangsloser ineinander gefasst und die gesamte Geschichte wäre noch gewaltiger gewesen; hätte ihr Potential ausgeschöpft mich vollkommen wegzublasen und schockiert mit offenem Mund zurückzulassen.

text-dividers-04

Mentira – Stadt der Lügen von Christina Hiemer ist ein tolles Debüt, keine Frage. Es gibt eine ganz und gar einzigartige Idee, in einem faszinierenden Setting mit süchtig machenden Figuren und einem teils schon fast poetisch, verträumten Schreibstil, der eine düstere, magische Atmosphäre schafft. Aber es ist auch noch eine Menge Luft nach oben, Potential für eine ganz große Autorenrolle, die Christina Hiermer garantiert irgendwann inne haben wird. Vielleicht ja schon im zweiten Teil? Man weiß es nicht, aber ich freue mich darauf, diese Entwicklung zu verfolgen.

Vielen Dank an den Hawkify Books Verlag für das Rezensionsexemplar!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.